Von der Vision zur Mission - Begegnungen mit Don Bosco
Was verbindet uns mit dem Menschen, dessen Namen unsere Einrichtung trägt? Und wie fühlt es sich an, dort zu stehen, wo vor rund 200 Jahren alles begann? Vom 15. bis 18. Oktober 2026 machten sich Mitarbeitende von Don Bosco Aschau am Inn gemeinsam mit Mitgliedern der Don Bosco Stifterfamilie auf den Weg nach Turin. Vier Tage, die Raum boten, Don Bosco auf eine andere Weise kennenzulernen, Gemeinschaft zu erleben und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Am Donnerstagmorgen ging es in Aschau los. Vor den rund 43 Teilnehmenden lagen viele Stunden Busfahrt, ein abwechslungsreiches Programm und vor allem die Gelegenheit, gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen. Neben den Mitarbeitenden waren auch elf Mitglieder der Don Bosco Stifterfamilie mit dabei. Für Pater Claudius Amann, stellvertretender Gesamtleiter von Don Bosco Aschau am Inn, Direktor der Salesianergemeinschaft und Vorstandsmitglied der Don Bosco Stiftung, stand hinter der Reise ein besonderes Anliegen: „Wir wollten dem Menschen näherkommen, der unserer Einrichtung ihren Namen gegeben hat. Wo hat Don Bosco gelebt? Wie war seine Kindheit? Welche Herausforderungen musste er bewältigen? Und wie ist aus seinen Erfahrungen schließlich das entstanden, was uns bis heute verbindet?“ Diesen Fragen ging die Gruppe in den folgenden Tagen an wichtigen Stationen im Leben Johannes Boscos nach.
Der Freitag führte die Gruppe nach Colle Don Bosco, in die Hügellandschaft des Piemonts. Hier wurde Johannes Bosco geboren, hier verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Beim Besuch seines Elternhauses, seines Geburtsortes und der Basilika rückte der Mensch hinter dem bekannten Namen ein Stück näher. Besonders eindrücklich war die Geschichte seines Traumes im Alter von neun Jahren. Ein Traum, der für Don Bosco später wegweisend werden sollte und in dem bereits jene Haltung erkennbar wurde, die sein ganzes Leben prägen sollte: jungen Menschen nicht mit Härte, sondern mit Güte, Liebe und Wertschätzung zu begegnen. Don Livio, der die Gruppe vor Ort begleitete, erläuterte, welche Bedeutung dieser Traum für Don Boscos späteres Leben haben sollte: „Colle Don Bosco ist gewissermaßen der Ort seiner Vision. Hier begann das, was später zu seinem Lebenswerk wurde.“ Anschließend ging es weiter nach Chieri, wo Don Bosco einen Teil seiner Jugend und Ausbildungszeit verbrachte. Ein Besuch der ehemaligen Abtei Vezzolano und ein gemeinsamer Abend auf einem Weingut rundeten den Tag ab. Zwischen den einzelnen Stationen blieb immer wieder Zeit, Eindrücke auszutauschen, Fragen zu stellen oder einfach die gemeinsame Zeit zu genießen.
Am Samstag stand Valdocco im Mittelpunkt – der Stadtteil Turins, in dem Don Bosco seine Vorstellungen schließlich in die Tat umsetzte. Was einst klein begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem beeindruckenden Zentrum salesianischen Lebens. Bei der Besichtigung des Don-Bosco-Museums, seiner ehemaligen Wohnräume, der Pinardi-Kapelle und der Kirchen auf dem Gelände wurde sichtbar, wie viel aus den Anfängen seines Wirkens entstanden ist. „Wir waren alle regelrecht überwältigt von der Größe Valdoccos und davon, was die Salesianer dort bis heute auf die Beine stellen“, erzählt Pater Claudius. Für ihn gehören die beiden zentralen Stationen der Reise unmittelbar zusammen: „In Colle Don Bosco begegnen wir der Vision, in Valdocco ihrer Umsetzung. Hier wurde aus einer Idee eine Mission.“
Diese Verbindung zwischen Vision und Mission war einer der Leitgedanken der Reise. Denn auch wenn sich die Lebenswelt junger Menschen seit Don Boscos Zeit grundlegend verändert hat, ist vieles von dem, was ihn damals antrieb, bis heute lebendig. Auch in Aschau, wo Mitarbeitende junge Menschen auf ihrem Weg begleiten und ihnen neue Perspektiven eröffnen. Am Samstagnachmittag lernten die Teilnehmenden auch Turin von seiner kulturellen Seite kennen. Jürgen Zach, der eigens für die Reise ein Begleitheft mit Wissenswertem über die Stadt zusammengestellt hatte, führte die Gruppe durch Turin und brachte ihr dabei die Geschichte und kulturelle Bedeutung der Stadt näher.
Bei all den Besichtigungen und geschichtlichen Einblicken kam das Miteinander nicht zu kurz. Was Pater Claudius im Rückblick besonders freut, ist die Gemeinschaft, die während der vier Tage spürbar war. „Wir haben wirklich Gemeinschaft erlebt. Schon im Bus war eine richtig gute Stimmung. Es war einfach schön zu sehen, wie die Menschen miteinander ins Gespräch gekommen sind.“ Bewusst war das Programm deshalb so gestaltet, dass neben Besichtigungen und geistlichen Impulsen genügend Raum für persönliche Begegnungen blieb. Beim gemeinsamen Essen, während der Fahrten und an den Abenden gab es viele Gelegenheiten, sich auszutauschen und einander abseits des Arbeitsalltags kennenzulernen. Auch die morgendlichen Besinnungen und die gemeinsame Eucharistiefeier am Samstag, die Jürgen Zach musikalisch begleitete, gehörten dazu. Sie luden ein, die Erlebnisse auf sich wirken zu lassen und darüber nachzudenken, was den Geist Don Boscos eigentlich ausmacht.
„Wir wollten immer wieder Impulse geben und die Spiritualität Don Boscos spürbar machen. Gleichzeitig war uns wichtig, dass die Mitarbeitenden genügend Zeit füreinander haben“, erklärt Pater Claudius. Dass dafür auch abseits des offiziellen Programms reichlich Gelegenheit war, zeigte sich an den geselligen Abenden. Ob bei einem Getränk in der Bar oder in kleiner Runde.
Dass auch elf Mitglieder der Don Bosco Stifterfamilie an der Reise teilnahmen, war für alle Beteiligten eine Bereicherung. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete Birgit Weiß, die sich mit großem Engagement um die Vorbereitung und Organisation für die Stifterfamilie kümmerte. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass wir uns als Stifterfamilie anschließen durften“, erzählt Pater Claudius. „Für eine so kleine Gruppe hätten wir eine solche Reise allein wohl kaum organisiert. Umso schöner war es, dass wir gemeinsam unterwegs sein konnten.“ Wie wertvoll diese Verbindung ist, zeigte sich bereits während einer Vorstellungsrunde im Bus. Zwei Pädagogen aus Aschau richteten sich dabei ganz spontan an die Mitglieder der Stifterfamilie und bedankten sich für deren Unterstützung. Denn mit ihrem Engagement tragen die Stifterinnen und Stifter dazu bei, dass in der Einrichtung zusätzliche Angebote, Projekte und Anschaffungen möglich werden, für die im regulären Alltag nicht immer die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen.
Ein persönlicher Dank, der inmitten der gemeinsamen Reise noch einmal deutlich machte, wie viel diese Unterstützung für die Arbeit in Aschau bedeutet. Auch die Mitglieder der Stifterfamilie nahmen die gemeinsamen Tage mit großer Freude auf. Sie konnten nicht nur die Ursprünge Don Boscos kennenlernen, sondern auch den Menschen begegnen, die seinen Auftrag heute in Aschau mit Leben füllen. Für beide Seiten bot die Reise damit eine schöne Gelegenheit, einander besser kennenzulernen.
Am Sonntag machte sich die Reisegruppe nach einem gemeinsamen Frühstück und einer abschließenden Besinnung auf den Heimweg nach Aschau. Vier abwechslungsreiche Tage lagen hinter den Teilnehmenden. Sie hatten die Orte besucht, an denen Don Bosco gelebt und gewirkt hat, mehr über seine Kindheit und Jugend erfahren und einen Eindruck davon gewonnen, wie sich seine ursprüngliche Vision zu einem weltweiten Werk entwickelt hat. Gleichzeitig war viel Zeit für Begegnungen und Gespräche geblieben, die im Arbeitsalltag oft zu kurz kommen. Die Reise erinnerte auch daran, wie aktuell Don Boscos Grundgedanken bis heute sind: jungen Menschen mit Wertschätzung zu begegnen, ihnen etwas zuzutrauen, ihre Fähigkeiten zu erkennen, sie zu ermutigen und ihnen Perspektiven zu eröffnen. Was vor rund zwei Jahrhunderten als Vision begann, findet auch heute in unserer täglichen Arbeit seinen Ausdruck.
